Germanistik studieren – was ihr wissen solltet

Über mein aktuelles Masterstudium habe ich ja vor einiger Zeit schon einmal geschrieben. Da dachte ich, es wäre doch sicher interessant, auch etwas über mein Bachelorstudium zu erfahren. Das habe ich in Germanistik abgeschlossen und weil das ja doch ein Fach ist, mit dem mehr Leute etwas anfangen können und mit dem vielleicht auch einige Abiturienten liebäugeln, erzähle ich heute mal ein bisschen darüber.

 

Welche Berufsmöglichkeiten habe ich mit einem Studium in Germanistik?

Wenn ich gesagt habe „Ich studiere Germanistik“ kam in 80% der Fälle zur Antwort: „Ach, du wirst Lehrerin!“ Nein. Nein, nein und nochmal nein. Es gibt kaum was, was ich weniger werden möchte. Außerdem hätte ich dann Lehramt studiert und mindestens noch ein anderes Fach und nicht einfach NUR Germanistik. Aber was kann man mit so einem Abschluss dann anfangen?

Naja, wie bei allen Geisteswissenschaften ist man nicht sofort auf einen bestimmten Beruf oder eine bestimmte Berufsgruppe festgelegt. Stattdessen benötigt man manchmal ein bisschen Fantasie und Kreativität, um einen Job zu finden. Da das Bachelorstudium sehr breit aufgestellt ist und viele Teilaspekte anspricht, ist eben auch die Berufsauswahl später sehr weit gefächert. Zu den genauen Inhalten komme ich aber später noch.

Grundsätzlich könnt ihr überall Arbeit finden, wo ihr mit dem geschriebenen Wort zu tun habt. In Redaktionen und Verlagen, in der Werbung sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, in Medienunternehmen oder im Bibliothekswesen. Die Liste lässt sich noch weiter fortsetzen, aber ich denke es wird schon deutlich, wie flexibel man mit diesem Studium ist.

Ich z.B. wusste nach dem Abi noch nicht genau wo ich hin will. Verlagswesen und Theater standen zur Debatte und mit der Wahl eines Germanistikstudiums hatte ich später die Chance auf beides und konnte mich in den drei Jahren in eine Richtung festlegen. Es ist Theater geworden, weil mir das Verlagswesen dann doch zu wirtschaftlich war.

Reclamhefte für Germanistik
Es werden sich einige Reclamhefte bei euch ansammeln. Das hier ist nur eine Auswahl!

Welche Voraussetzungen benötigt man, um Germanistik zu studieren?

Mit Voraussetzungen meine ich jetzt nicht die Erfüllung eines NC oder ähnlichem. Die sind sowieso an jeder Uni unterschiedlich, da muss sich jeder selbst erkundigen, was seine Wunsch-Uni verlangt.

Ich möchte hier eher über Fähigkeiten und Vorlieben sprechen, die man haben sollte, wenn man sich für ein Germanistikstudium entscheidet.

Unabdingbar ist es z.B., gerne zu lesen. Wer sich damit quält, viel und lange Texte zu lesen, ist hier falsch, denn damit verbringt man einfach die meiste Zeit. Seien es literarische Texte – was ja meistens doch noch Spaß macht – oder Fachartikel – die sind oft ziemlich hart – ohne Lesen, kommt man in diesem Fach absolut nicht weit.

Eine andere Fähigkeit, die extrem wichtig ist, ist abstraktes Denken. Im Gegensatz zu Naturwissenschaften gibt es bei Geisteswissenschaften keine eindeutigen Antworten und kein klares Ja oder Nein. Stattdessen müssen Bezüge und Assoziationen hergestellt werden, man sollte immer mal wieder ein bisschen um die Ecke denken. Im Übrigen hat das literarische Arbeiten so überhaupt nichts damit zu tun, was man in der Schule im Deutschunterricht macht. Wer denkt, er kann einfach drauflos interpretieren, wie man das in der Schule so schön gelernt hat, liegt leider falsch. Schöne Grüße an dieser Stelle an meine Lehrerin im Deutsch LK, die mir immer schlechte Noten gegeben hat, meine Profs heute sehen das anders.

Ein gewisses Grundinteresse an der deutschen Geschichte sollte auch vorhanden sein. Das ist zwar nicht zwingend notwendig, aber um literaturhistorische Zusammenhänge zu lernen und zu verstehen, macht es schon einiges leichter. Ansonsten kann das teilweise ziemlich zäh werden.

Wörterbuch
Das Wörterbuch wird irgendwann euer bester Freund

Welche Inhalte hat das Germanistikstudium?

Wie oben bereits erwähnt deckt das Fach ein relativ breites Spektrum an Teilgebieten ab.

Sprachwissenschaft ist z.B. ein sehr theoretischer Aspekt und ich glaube auch der einzige, in dem man tatsächlich eindeutige Aussagen treffen kann.

Dann wird Literaturgeschichte behandelt. Die wird unterteilt in Mediävistik, also die Literatur des Mittelalters, und neuere deutsche Literatur. In der Mediävistik geht es außerdem noch etwas genauer um die Epoche selbst und nicht nur hauptsächlich um die Literatur. Zum Beispiel wird hier auch das Mittelhochdeutsche quasi als Fremdsprache gelehrt, denn das ist schon was ganz anderes als das Deutsch, dass wir heute sprechen.

Der dritte große Bestandteil ist die Literaturwissenschaft, wo es wirklich um Texte und Autoren geht. Diesen Teil fand ich immer am spannendsten.

Zusätzlich gibt es dann eigentlich immer noch Wahlmöglichkeiten in verschiedenen Bereichen wie Medienwissenschaften, Genderlinguistik, Kulturwissenschaft, Theaterwissenschaft etc. …

 

Aufgrund dieses breiten Angebots, halte ich persönlich es eigentlich auch fast für notwendig, nach dem Bachelor noch ein Masterstudium dran zu hängen. Ich sage immer: „Nach dem Bachelor in Germanistik kann man halt alles so ein bisschen, aber nichts richtig.“ Weil eben überall eigentlich nur an der Oberfläche gekratzt wird und eine Spezialisierung in eine Richtung sich dann doch lohnt.

Bachelorarbeit Germanistik
Das war meine Abschlussarbeit. Hier sieht man schon schön, in welche Richtung ich nach dem Bachelor gehen wollte.
Bachelor Germanistik
Für diesen Moment haben sich die drei Jahre auf jeden Fall gelohnt.

 

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Studium Theaterwissenschaft

Wenn mich Leute fragen, was ich studiere, und ich ihnen dann erkläre, dass ich meinen Bachelor in Germanistik abgeschlossen habe und jetzt einen Master in Theaterwissenschaft mache, schaue ich meistens erstmal in ratlose Gesichter. Zwei Fragen kommen dann in der Regel sofort:

  1. Was lernt man da?
  2. Was macht man später damit?

Eine dritte – bzw. vierte – Frage steht dann aber oft unausgesprochen im Raum, die nie jemand direkt stellen würde, die ich den meisten Leuten aber vom Gesicht ablesen kann: „Wozu braucht man sowas denn überhaupt? Wieso lernst du nichts Vernünftiges?“

Diese drei Fragen werde ich in diesem Beitrag versuchen, zufriedenstellend zu beantworten. Ja, alle drei.

 

Was lernt man in einem theaterwissenschaftlichen Studium?

Da in der breiten Masse tatsächlich wenig Menschen direkte Berührungspunkte mit dem Theater haben, denken viele als erstes ans Schauspiel. Wer mich kennt, weiß, dass es ungefähr das Letzte wäre, was ich freiwillig tun würde, mich auf eine Bühne zu stellen und vor Publikum zu spielen.

Was lernt man also, wenn nicht schauspielern? Unser Fach ist eigentlich sehr weit gefächert, weiter, als die meisten vermuten würden. Wir lernen zum einen Theatergeschichte: welche Traditionen gibt es? Wann haben Menschen angefangen, Theater zu spielen? Wie haben sich Schauspiel- oder Bühnentechniken seit den Anfängen verändert? Welche Theaterformen gibt es noch in anderen Kulturen?

Außerdem lernen wir natürlich etwas über Theorien. Ich werde hier kein Namedropping betreiben, weil das die wenigsten interessiert, aber es geht in den Unterrichtsinhalten um große Namen der Theatergeschichte, die verschiedene Theorien aufgestellt haben, nach welchen Maßstäben Theater stattfinden sollte. Dementsprechend hängen Theatergeschichte und die Beschäftigung mit den verschiedenen Theorien natürlich auch eng zusammen.

Es geht aber auch ganz konkret darum, wie man sich Inszenierungen anschaut, wie man sie in ihre verschiedenen Bestandteile zerlegen und analysieren kann. Hier geht es also weg von Texten und Büchern und es wird erst richtig spaßig – oder verwirrend vor allem bei der Beschäftigung mit zeitgenössischem Theater. Theatrale Inszenierungen bestehen einfach aus so vielen verschiedenen Elementen, dass ich persönlich es wahnsinnig spannend finde, diese Einzelteile auseinanderzunehmen.

Und es wird noch praktischer. Ich weiß nicht, wie andere Unis das handhaben, bei uns jedenfalls gibt es einen großen praktischen Anteil. Das heißt zum einen, dass wir Schreibkompetenz jenseits des Wissenschaftlichen lernen. Also beispielsweise Kritiken verfassen oder eigene Szenen oder kleine Stücke schreiben.

Zum anderen – und damit sind wir wieder beim Anfang – haben wir die Möglichkeit in einem Seminar unsere Schauspielfähigkeiten zu erproben. Das habe ich noch vor mir und hab mich immer noch nicht entschieden, ob ich mich darauf freue oder Angst davor habe.

 

Was macht man später damit?

Es gibt unzählige Berufe in und am Theater, die nichts mit Schauspiel zu tun haben. Wir werden an der Uni wohl nicht dafür ausgebildet, um Bühnen- oder Kostümbildner zu werden, aber dennoch gibt es einige Möglichkeiten. Kurz gefasst erkläre ich Leuten, die mich danach fragen immer, dass das Studium auf eine „künstlerische Leitungsposition“ hinführen soll. Das ist natürlich immer noch sehr vage, zugegeben. Darunter fällt zum Beispiel die Intendanz eines Theaters (in der Wirtschaft würde man vermutlich CEO sagen) oder Dramaturgie. Letzteres ist bisher mein zukünftiger Plan. Die Arbeitsbereiche eines Dramaturgen sind je nach Größe des Hauses unterschiedlich breit gefächert. Grundsätzlich ist ein Dramaturg aber ein Textmensch. Er schreibt Programme, Begleithefte, manchmal auch Pressemitteilungen. Er recherchiert Hintergrundinformationen zu Stücken, ist beteiligt an der Überarbeitung der Texte für Inszenierungen und und und … In meinem Kopf aktuell genau das, worauf ich Lust habe. Ob sich das bewahrheitet, werde ich im Sommer rausfinden, wenn ich ein Praktikum in diesem Bereich mache.

Abgesehen von diesen „künstlerischen Leitungspositionen“, wie ich sie nenne, gibt es aber auch noch andere Berufsfelder. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kritiker, Kulturmanagement, Festivalorganisation … mit ein bisschen Fantasie kann man in eigentlich jedem kulturellen Bereich Fuß fassen.

 

Wieso lernst du nichts Vernünftiges?

Naja, die simple Antwort hierauf ist: „Weil ich das, was vom Gros der Gesellschaft als ‚sinnvoll‘ angesehen wird, einfach nicht kann, nicht verstehe oder schlicht langweilig finde.“ Ich kann kein Ingenieurwesen studieren, weil ich eine technische Niete bin. Ich will kein Jura studieren, weil ich keine Lust habe, ewig Paragraphen auswendig zu lernen. Ich habe null ökonomisches Verständnis und wäre in BWL daher vollkommen aufgeschmissen. Ich habe mein Studium aufgrund des einen simplen Aspekts gewählt, dass es mir Spaß macht. Nicht danach, wie viel Geld ich später verdienen kann, nicht danach, wie hoch die Jobchancen sind. Wenn ich daran denke, dass ich diesen Job (welcher es dann auch immer sein wird) aller Wahrscheinlichkeit nach für den Rest meines Lebens ausüben werde, will ich mich nicht jeden Morgen quälen müssen, aufzustehen. Das ist das Eine.

Das Andere ist, dass Theater oder Kultur im Allgemeinen meiner Meinung nach nichts „Sinnloses“ oder „nicht Vernünftiges“ ist. Kultur ist ein gesellschaftliches Allgemeingut und deswegen wichtig.

Theater kann Gesellschaften einen Spiegel vorhalten, sie kritisieren, sie an den Pranger stellen. Es ist aber auch Unterhaltung (ich gebe zu, dass viele Theatermenschen das oft vergessen, aber ich denke, das ist elementar, wenn wir die Menschen nicht verschrecken wollen), Auszeit vom Alltag, ein gemeinsames und gleichzeitig doch individuelles Erlebnis. Es ist auf jeden Fall etwas, das nicht verloren gehen darf, nur weil heutzutage alles effizient und zielorientiert sein muss. Alles muss einem Zweck dienen, einen Mehrwert bringen und am besten gleichzeitig bio, fairtrade und digital sein. Macht doch einfach mal was, weil es schön ist! Für die Ästhetik und nicht für den Profit. Ich denke, jeder von uns kann ein bisschen mehr Schönheit in seinem Leben vertragen – und wenn ich dafür sorgen kann, umso besser. 

 

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