Warum wir öfter unsere Filterblase verlassen sollten

Seifenblasen.

Eigentlich hatte ich für heute einen anderen Beitrag geplant. Allerdings hat mich ein Ereignis letzte Woche zum nachdenken gebracht und meine Gedanken zu dem Thema wollte ich gerne teilen. Vor allem aber interessieren mich auch andere Meinungen dazu sehr.

Worum geht es?

Vor ein paar Jahren, als die AfD gerade populär wurde, habe ich damit angefangen, konsequent alle Leute aus meinen Social Media-Kanälen zu verbannen, die deren populistische und fremdenfeindliche Parolen geteilt haben. Vor allem meine Freundesliste auf Facebook hat sich da ziemlich reduziert. Und ich weiß, dass das viele Leute genauso handhabe, ganz nach dem Motto: I don’t need that kind of negativity in my life. Und mit Menschen, die solche Meinungen vertreten, möchte ich nichts zu tun haben.

Dann gibt es da noch die Leute, die ab und zu irgendwelchen Blödsinn (in meinen Augen) teilen, der mich zwar aufregt, über den ich dann aber einfach hinweg scrollen kann. Um ganz genau zu sein, habe ich mir irgendwann angewöhnt, über Inhalte hinweg zu scrollen, die mich aufregen, eben weil es mich aufregt. Denn ich hatte keine Lust mehr, so viel Energie zu verschwenden, wenn die an den Betrefenden sowieso abprallt. Wer schon einmal versucht hat, in der Kommentarspalte von Facebook eine sachliche Diskussion zu führen, weiß denke ich, was ich meine.

Letterbox: Think outside the box

Letzte Woche erschien in meiner Timeline dann ein Post, indem es darum ging, dass es total blödsinnig sei, dass Deutschland etwas gegen den Klimawandel unternehmen wolle. Denn solange die Chinesen und Inder weiterhin so viele Treibhausgase ausstoßen würden und die Afrikaner sich weiter so schnell fortpflanzen würden, wären unsere Maßnahmen sowieso völlig wirkungslos. Und oh mein Gott, man will uns die SUVs wegnehmen! (Sinngemäßes Zitat.)

Da habe ich meine Regel gebrochen und auf Facebook eine Diskussion begonnen. Wobei eine richtige Diskussion war es nicht, auf meinen Kommentar bekam ich eine Antwort und als einen zweiten Kommentar hinterließ, gab es keine Reaktion mehr. Ich habe mit dieser „Diskussion“ nichts erreicht bei dem Menschen, der diesen Post weiterverbreitet hat.

Dennoch hat mich das zum nachdenken gebracht. Denn wie üblich habe ich mich den ganzen Tag über diese Äußerungen aufgeregt, was mir unglaublich viel Energie geraubt hat, die ich viel besser hätte nutzen können. Also habe ich mich gefragt: „Wieso hast du das nicht einfach, wie sonst auch immer, ignoriert?“

Und ich konnte mir selbst die Antwort geben: „Weil nur durch Diskussionen und Argumente Meinungen geändert werden können. Weil wir alle in unseren Filterblasen leben und durch das Abschotten voneinander werden die Differenzen doch nur umso größer.“

Di Filterblase …

” … entsteht, weil Webseiten versuchen, algorithmisch vorauszusagen, welche Informationen der Benutzer auffinden möchte – dies basierend auf den verfügbaren Informationen über den Benutzer … Daraus resultier[t] eine Isolation gegenüber Informationen, die nicht dem Standpunkt des Benutzers entsprechen.”

Wikipedia: Filterblase

Das ist ein riesen Problem unserer Gesellschaft. Und wenn ich jetzt zusätzlich alle Andersdenkenden aus meinen Freundeslisten verbanne und damit jede Diskussion von vornherein unterbinde, dann bin ich mit Teil des Problems. Dabei will ich doch eigentlich Teil der Lösung sein.
Aber dazu müsste ich ganz offensiv aus meiner eigenen Filterblase heraustreten, widersprechen, wenn ich auf Beiträge stoße, die mir nicht passen (oder die einfach faktisch falsch sind) und einfach Diskussionen mit Menschen führen, die andere Meinungen vertreten. Oder das zumindest versuchen.

If not now, when?

Aber das alles raubt Energie. Es ist frustrierend, enttäuschend und macht mich wütend. Wütend darüber, dass man logische Argumente nicht anerkennt, darüber, dass man anderen Menschen ihre Würde abspricht und auch (oder vor allem) wütend darüber, dass mir als junger Frau einfach nicht zugehört wird oder ich nicht ernst genommen werde.


Das ist das Dilemma: Austausch um jeden Preis auch wenn dabei mein Seelenfrieden auf dem Spiel steht?

Raus aus der Filterblase

Ich habe für mich in den letzten Tagen entschieden, dass ich häufiger widersprechen möchte, dass ich öfter meine Meinung kundtun werde und da, wo es geht, meine Argumente für eine andere Sichtweise darlegen will. Aber, dass ich auch nicht meine gesamte Energie dafür verschwenden will. Versuchen, die Diskussion im Netz zu lassen und mich nicht noch Stunden später damit zu beschäftigen. Letzteres ist die eigentliche Challenge für mich. Mal sehen, wie das klappt.


Und jetzt interessiert mich: Wie handhabt ihr das? Beginnt ihr Diskussionen z.B. auf Facebook oder Instagram? Löscht ihr Menschen, deren Inhalte ihr nicht sehen wollt? Oder haltet ihr euch aus politischen und gesellschaftlichen Themen komplett raus auf Social Media?

Ich bin wirklich gespannt auf eure Meinungen.

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