Lesejahr 2019 – Bücher im April, Mai & Juni

In den Monaten April, Mai und Juni habe ich auch wieder fleißig Bücher gelesen. Von Sachbüchern, über Romane bis hin zu Ratgebern war wieder eine bunte Mischung dabei. Vieles hat mir sehr gut gefallen, manches leider nicht so sehr. Aber lest selbst, vielleicht gibt es die ein oder andere Inspiration für euch.

Sophie Passmann: Alte Weiße Männer

Das erste Buch auf meiner Liste ist kein Roman und ich würde es auch nicht als „Unterhaltungsliteratur“ bezeichnen. Aber es lässt sich sehr angenehm lesen und ich habe regelmäßig ein bis zwei Kapitel auch vor dem Schlafengehen noch verschlungen.

Buch "Alte weiße Männer" von Sophie Passmann

Die Journalistin, Moderatorin, Feministin, Kabarettistin … (was ist diese Frau eigentlich nicht) Sophie Passmann hat mit diesem Buch – wie der Untertitel lautet – einen Schlichtungsversuch unternommen. Zwischen dem Feminismus und dem Alten Weißen Mann. Ich verfolge die Autorin schon länger und halte sie einfach für eine unglaublich intelligente Frau, die viele interessante Dinge zu sagen hat. (Was unter anderem dazu geführt hat, dass ich ein paar Komplexe bekam, als ich rausgefunden habe, dass sie gerade mal ein paar Monate älter ist als ich.) Für ihr Buch hat sie sich einen Sommer lang mit verschiedenen potentiellen alten weißen Männern getroffen und mit ihnen über Feminismus gesprochen. Gesprächspartner waren unter anderem Grünen-Chef Robert Habeck, Blogger Sascha Lobo, Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt oder Alt-68er Rainer Langhans. Dabei kamen zwar oft auch alte Vorurteile, aber meistens viele interessante und neue Gedanken auf. Die männliche Perspektive – vor allem die von „mächtigen“, reichweitenstarken Männern – auf den Feminismus ist immer noch oft etwas verkrampft. Aber dieses Buch zeigt: Durch aufeinander zugehen kann man festgefahrene Meinung manchmal verändern und Feminismus ist nicht zwangsläufig biestig schon gar nicht männerfeindlich.

Jason Starr: Brooklyn Brothers

Dieses Buch fiel mir wie so manches andere bei einem Ausverkauf als Mängelexemplar in die Hände. Nicht, weil ich den Autor kennen würde oder so viel Gutes über das Buch gehört hätte. Mir hat der Klappentext zugesagt, also wurde es mitgenommen. Leider wurde ich ziemlich enttäuscht. Eine Klischeegeschichte: Zwei junge Männer aus Brooklyn, beide spielen in der Highschool und im College Baseball, doch nur einem gelingt der Sprung in die Oberliga, während der andere aufgrund einer Verletzung zurück zu seinen Eltern zieht und von jetzt an als Anstreicher arbeitet. Der erfolgreichere von beiden hat natürlich das Mädchen, in welches der andere auch verliebt ist, und obwohl jener sie überhaupt nicht zu schätzen weiß, bleibt sie bei ihm. Verkompliziert wird die als Liebesgeschichte angelegte Story durch Gangstreitigkeiten, die in der Regel mit Waffengewalt in Brooklyns Straßen ausgetragen werden

Buch "Brooklyn Brothers" von Jason Starr

Die Story ist vorhersehbar, die Charaktere sind alle total oberflächlich und stereotyp gestaltet und haben mich nach den ersten 50 Seiten schon so sehr genervt, wie schon lange keine Figuren in Büchern mehr. Ich hab mich dann gezwungen, das Buch zu Ende zu lesen, kann allerdings absolut keine Empfehlung aussprechen.

Enis Maci: Eiscafé Europa – Essays

Ein weiteres eher theoretisches Buch ist der Essayband von Enis Maci. Sie ist ebenfalls genauso alt wie ich und wiedermal überkommen mich Komplexe, weil ich mich im Vergleich mit dem, was sie in ihren Essays an klugen Gedanken äußert, ziemlich naiv und ungebildet fühle. Die Essays behandeln verschiedene Themen von Neonazis, über Heimat und Herkunft, bis hin zu Social Media und dem Erwachsenwerden. Enis Maci schreibt sehr dicht und man sollte definitiv konzentriert sein beim Lesen ihrer Texte. Aber wenn man sich darauf einlässt nimmt man viele intelligente Gedanken und neue Ideen zu verschiedenen Themen mit. Ich habe das Buch nicht in einem Rutsch gelesen, sondern immer zwischendurch einen Essay, denn man braucht auch immer etwas Zeit, das Gelesene sacken zu lassen. Aber es lohnt sich, wie ich finde, sehr.

Buch "Eiscafé Europa - Essays" von Enis Maci

Terry Pratchett: Die volle Wahrheit

Etwas Leichteres und definitiv Unterhaltsames habe ich dann wieder mit Terry Pratchett gelesen. Wie auch im ersten Quartal war er wieder dabei und ich liebe seine Geschichten einfach. Bei „Die ganze Wahrheit“ handelt es sich um einen Scheibenweltroman, man trifft also viele Charaktere aus Ankh Morpork wieder, die man aus anderen Teilen der Reihe kennt. Hier geht es um den Schreiber William de Worde, der sich mit dem Zwerg Gutenhügel zusammentut. (Wer die sprechenden Namen liest, kann sich schon denken, worauf diese Geschichte hinausläuft.) Dieser hat gerade eine neue, bahnbrechende Methode erfunden, Schriftstücke schneller und effizienter zu drucken. Und so gründen die beiden die erste Zeitung von Ankh Morpork. Die erste große Story ist schnell gefunden, als ein Mordanschlag verübt. Dabei kommen bald Fragen auf, wie „Was sind eigentlich Nachrichten?“ und „Was wollen die Leute lesen?“ William de Worde ist sich auf jeden Fall sicher: Die Presse ist der Wahrheit verpflichtet. Allerdings stimmt ihm da nicht unbedingt jeder zu.

Buch "Die volle Wahrheit" von Terry Pratchett

 Und so ist dieses Buch eine geniale Analogie auf die Presse- und Meinungsfreiheit, dabei wahnsinnig lustig und unterhaltsam und wie immer bei Pratchett rasant erzählt.

Jostein Gaarder: Sofies Welt

Wer einen Überblick über die Geschichte der Philosophie bekommen möchte, ist bei diesem Buch genau richtig. Eines Tages findet die 14jährigen Sofie einen geheimnisvollen Brief in ihrem Briefkasten. Der unbekannte Schreiber beginnt darin, ihr verschiedene philosophische Denkrichtungen und Gelehrte vorzustellen. Klingt erstmal merkwürdig? Ist es auch. Denn bei der Suche nach dem Verfasser der Briefe, passieren noch allerhand unfassbare Dinge und bald verschwimmen sogar die Grenzen zwischen Realität und Fiktion.

Buch "Sofies Welt" von Jostein Gaarder

Gaarder hat mit diesem Klassiker aus dem Jahr 1991 die perfekte Mischung zwischen Unterhaltung, Spannung und lehrreichem Inhalt gefunden. Während man sich ständig fragt, wer denn nun diese mysteriösen Briefe schreibt und vor allem warum, liest man gebannt weiter und lernt dabei allerhand Neues und Interessantes über die Geschichte der Philosophie von der Antike bis ins 20. Jahrhundert.

Hörbuch – Lena Dunham: Not that kind of girl

Hörbuchcover zu "Not that kind of girl" von Lena Dunham

Hörbücher gab es auch gleich wieder mehrere in den letzten drei Monaten. Zunächst Lena Dunhams „Not that kind of girl“. Das Buch ist quasi die Autobiographie der Schauspielerin und Regisseurin, die 1986 geboren wurde. Allerdings erzählt sie die Geschichte ihres Lebens nicht linear, sondern nach Themenbereichen unterteilt wie „Körper“, „Sex und Liebe“ oder „Arbeit“. Sie erzählt von ihren Phobien, den Unsicherheiten, mit denen jeder Heranwachsende, und den Vorurteilen, mit denen jede Frau konfrontiert ist. Wie sie es dennoch geschafft hat, ihr Ding zu machen, eine erfolgreiche Karriere hinzulegen, alles aus eigener Kraft, und mit sich selbst ins Reine zu kommen, davon handelt dieses Buch und war damit für mich eine wahre Inspirationsquelle.

Das deutsche Hörbuch wird gelesen von Nora Tschirner, die meiner Meinung nach super für diese Aufgabe geeignet war. Eine sehr angenehme Stimme und vom Typ her ähnlich wie Dunham und daher total authentisch.

Hörbuch – Robert Habeck: Wer wir sein könnten

Hörbuchcover zu "Wer wir sein könnten" von Robert Habeck

Vor seiner politischen Karriere war er Schriftsteller. Dieses kleine Büchlein hat Robert Habeck, Parteivorsitzender der Grünen, allerdings erst im letzten Jahr geschrieben. Darin beschäftigt er sich mit unserer Sprache, macht einen Exkurs in die Sprachgeschichte und erklärt, wie Sprache unsere Wirklichkeit konstituiert. Gerade in der Politik, aber auch in unseren privaten Kontexten spielt Sprache eine entscheidende Rolle, denn sie beeinflusst, wie wir bestimmte Dinge wahrnehmen. Daher geht Habeck vor allem auch auf die wieder zunehmende Instrumentalisierung der Sprache von Rechts und Links ein und schreibt am Ende ein Plädoyer für mehr Sensibilität der Sprache gegenüber und mehr Umsicht bei ihrem Gebrauch. Durch jeden von uns.

Hörbuch – Mirellativegal: Kann man mal machen

Hörbuchcover zu "Kann man mal machen" von mirellativegal

Dass ich ein riesen Fan von der YouTuberin mirellativegal bin, habe ich in dem Beitrag über meine liebsten YouTuber ja schon verkündet. Im Grunde genommen verhandelt sie in ihrem Buch die gleichen Themen wie auf ihrem Kanal und ihren Videos. Allerdings in gebündelter Form und noch etwas ausführlicher. Es geht um Selbstakzeptanz und Selbstliebe, darum, wie man sich selbst treu bleibt und seinen eigenen Weg geht. Es ist aus ihrer eigenen Perspektive erzählt und baut auf den Erfahrungen auf, welche sie in ihrem Leben bisher gemacht hat. Dabei betont sie immer wieder, dass das Buch keine Anleitung, kein Patentrezept dafür ist, ein glückliches Leben zu führen. Es ist ein Vorschlag, Dinge, die man eben mal machen kann, aber nicht muss. Versuch macht klug, wie man so schön sagt und nicht alles funktioniert für jeden, aber man kann alles mal ausprobieren und dann auch wieder verwerfen, wenn es für einen selbst nicht passt.

Von ihr selbst gelesen, ist dieses Hörbuch so angenehm zu hören und ich musste auch des Öfteren schmunzeln oder sogar laut lachen, weil ich ihre Art einfach total mag und sehr lustig finde. Große Empfehlung.


War etwas für euch dabei? Kanntet ihr eins oder sogar mehrere der Bücher schon? Und erzählt doch gerne mal von euren Lieblingsbüchern der letzten Monate in den Kommentaren!

Hier verlinke ich nochmal den ersten Teil der Reihe, mit den Büchern aus den Monaten Januar, Februar und März.

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11 Kommentare zu „Lesejahr 2019 – Bücher im April, Mai & Juni“

  1. Das sind spannenden Bücher die du für uns hast. Vor allem aber werde ich in das Hörbuch von Mirellativegal rein hören. Das klingt sehr spannend für mich. Ich bin einfach ein Mensch der sich viel zu viel zu Herzen nimmt. Und mal zu hören wie andere Leute ihr leben so wuppen finde ich da sehr spannend.

    Danke für den Anreiz.

    xoxo dein Lipstickbunny Vanessa

  2. Sophies Welt habe ich vor vielen Jahren auch mal gelesen, das müsste ich mir aber noch mal schnappen 🙂 Ansonsten hab ich die letzten Tage auch mal wieder zum Lesen genutzt, aber so viele Bücher würde ich in so kurzer Zeit nicht schaffen 🙂

    Liebe Grüße
    Jana

  3. Liebe Wanderingmind,

    vielen Dank für deine guten Tipps. Sophies Welt habe ich vor über 20 Jahren schon gelesen. Damals hat irgendwie jeder das Buch lesen müssen. An vieles erinnere ich mich nicht mehr. Ich sollte es wohl nochmal lesen.

    Der Hörbuchtipp für Robert Habecks Buch spricht mich am meisten an. Werde ich mir definitiv bei Tauschticket besorgen.

    Herzlichst, Inga

  4. Danke für die Tipps. Sophies Welt klingt ganz interessant. Im Allgemeinen bin ich aber gerade wieder auf meiner Ratgeber und Bücher zum Thema Energetik und Spiritualität WELLE 😀

  5. danke dass du die Bücher vorstellst, ich finde alle interessant, ich würde die Hörbücher wählen, einfach, weil ich die immer mal zwischendurch hören kann, während ich im Haushalt was mache oder so, im Moment höre ich den Herrn der Ringe, warum auch immer, ich habe ihn als Kind gelesen, erst auf deutsch, dann auf englisch, jetzt höre ich ihn 🙂 Zeit zum hinsetzen und Lesen habe ich leider nicht, bin zu beschäftigt, liebe Grüße Bettina

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