Bin ich zu sensibel weil ich weine?

Beitragsbild "Weinen", kleine Figur vor verregnetem Fenster

Weinen gehört eigentlich seit ich denken kann schon immer zu meinem Leben. Zu meinem Alltag. Vom Weinen aus Enttäuschung oder Trauer über wütende und Freudentränen bis hin zu mühsam zurückgehaltenen Tränen – alles kam und kommt immer wieder vor.

Von vielen Menschen in meinem Umfeld wird mir immer wieder vorgeworfen, ich sei viel zu rational und eher Kopf- als Gefühlsmensch. Das stimmt auch. Meistens. Ich wäge Entscheidungen endlos ab, prüfe immer die verschiedenen Optionen. Ich plane eher als einfach zu machen und ich kann auch emotionale Themen durchaus nüchtern und sachlich argumentieren.

Gleichzeitig werde ich manchmal sehr von meinen Gefühlen überrollt. So sehr, dass ich mich manchmal frage, ob ich nicht einfach viel zu sensibel für die Welt bin.

weinende Frau vor Fenster

Einmal im Monat weine ich wegen jeder Kleinigkeit, weil ich mich beim Frühstück auf die eine Marmelade gefreut habe und genau die dann Schimmel angesetzt hat. Oder weil es regnet, obwohl ich doch so gerne rausgehen wollte. Oder einfach so, weil … naja, keine Ahnung.

Ich weine, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, wenn ich wütend bin. Dann spüre ich wie die Tränen hochsteigen, der Kopf rot und die Ohren ganz heiß werden und dann kostet es mich alle Überwindung, nicht wahrhaftig loszuheulen. Denn mal ehrlich, nicht selten wird das falsch aufgenommen. „Das ist unfair, du darfst nicht weinen, dann fühle ich mich schlecht!“ Als würde ich das aus Kalkül machen …

Ich weine aber auch vor Freude. Wenn etwas sehr Schönes passiert ist, bei Hochzeiten oder einfach, wenn gerade alles passt. Erst kürzlich war ich zum ersten Mal in einem Yogastudio und habe dort eine Stunde mitgemacht. Der Tag war nicht so toll und ich war innerlich unruhig und unentspannt, zu viele Gedanken, zu viele Sorgen. Auch deswegen hätte ich heulen können. In der Endentspannung, im Shawazana, ist mir dann auf einmal wie eine große Last von der Seele gefallen, ganz unwillkürlich habe ich angefangen zu grinsen und habe im gleichen Moment schon gemerkt wie die Tränen wiederkamen. (Was ich sonst noch so durch Yoga gelernt habe, erfahrt ihr hier.)

Bin ich jetzt ein Sensibelchen, weil ich ständig weinen muss? Habe ich mich und meine Gefühle einfach nicht unter Kontrolle? Das dachte ich lange. Denn irgendwie wird weinen und Gefühle zeigen ja oft immer noch mit Schwäche assoziiert.

Weinendes Auge

In den letzten Jahren habe ich, vor allem auf Instagram, viele Personen – hauptsächlich Frauen – gefunden, die dieses Vorurteil thematisieren. Die dazu stehen, z.B. hochsensibel zu sein oder mit verschiedenen Situationen nicht so gut umgehen zu können, wie andere das tun. Das macht diese Personen aber nicht weniger erfolgreich in dem, was sie tun. Ich glaube sogar, das Gegenteil ist der Fall.

Loslassen durch Weinen

Wahrscheinlich ist es immer noch keine gute Idee vor seinem Chef einen Heulkrampf zu bekommen, aber danach. Die aufgestaute Wut durch Weinen rauszulassen, ist der beste Stressrelief überhaupt. Denn anstatt alle Gefühle in sich hineinzufressen und dann dadurch vielleicht auch Tage später noch passiv aggressiv oder patzig gegenüber dem Anderen zu sein, ist definitiv keine Lösung. Mit den Tränen verlassen oft auch die negativen Gefühle den Körper. Zumindest ist das meine Erfahrung.

Und deswegen sehe ich es nicht mehr wirklich als Schwäche an, wenn ich in Situationen weinen muss, die andere nicht nachvollziehen können. Ich habe mir Techniken angeeignet, die Tränen zu unterdrücken, wenn es gerade wirklich nicht passt, aber ich lasse sie raus, wenn ich danach für mich bin. Ich bin nicht hochsensibel, aber eben sensibel und trotz allem Verstand und aller Rationalität, überkommen mich manchmal meine Gefühle.

Und das ist gut so.

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3 Kommentare zu „Bin ich zu sensibel weil ich weine?“

  1. Ich war auch schon immer „nah am Wasser gebaut“ und brauchen nur den richtige Auslöser! Vorhin kam erst ein berührender Bericht über ein Hundchen, das unter einem Keller gefunden wurde und seine Hinterbeine nicht bewegen konnte. Dem armen TIerchen wurde mit einem eigens konstruierten Rollstuhl geholfen, mit dem er seine Hinterbeine hinterherziehen kann, Ihm geht’s jetzt pudelwohl und mir kamen fast die Tränen dabei 🙂

    Aber auch sonst gibt es immer mal wieder Situationen, in denen Weinen einfach hilft!

    Liebe Grüße
    Jana

  2. Weinen heißt für mich nicht, dass man ein Sensibelchen ist. Ich weine auch regelmäßg – manchmal einfach grundlos, auch beim Fernsehen. Wenn ich wütend werde, dann muss ich weinen und dann nimmt mich keiner ernst, wenn ich mich sehr freue, dann kann ich weinen – manchmal braucht es aber auch keinen Grund.
    Ich finde, man sollte den Gefühlen freien Lauf lassen und sie nicht in sich hineinfressen. Das ist für uns vermutlich besser.

  3. Ich finde Weinen ist wichtig. Man kann zB wenn man wütend ist Druck ablassen ohne jemanden zu töten. Wenn man mich aber auch zu sehr reizt, dann kommen meine Tränen und die Wut aus mir.
    Ansonst kann ich dich verstehen. Ich denke auch oft, dass es eine Schwäche ist. Dabei wurde mir mal gesagt es sei sogar eine Stärke zu weinen.
    Am Anfang meiner Blog zeit habe ich sogar bei Komplimenten geweint. Weil ich das eben aus meiner Jugend nicht kannte. Keiner fand mich je hübsch oder mochte was ich tue. Das brachte eben viel an Gefühlen raus.

    Ich bin also voll bei dir <3
    xoxo Vanessa

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