Storytime: Vom Sportmuffel zum Trainingslover

Training Essentials

Während meiner Schulzeit war ich der größte Sportmuffel. Im Schulsport haben wir immer nur Ballspiele gemacht und da bin ich einfach ein richtiges Mädchen: kann ich nichts mit anfangen. Oder im Sommer eben Leichtathletik. War mir zwar lieber als Ballspiele, aber gut war ich darin auch nicht.

Ich verstehe zwar das Konzept von Schulsport und sehe ein, dass das wichtig ist. Allerdings halte ich es bis heute für Blödsinn, das zu benoten und dann noch nicht einmal eine ordentliche Auswahl an Sportarten zu bieten. Aber das nur am Rande, es soll ja eigentlich um etwas anderes gehen heute.

Tanzen dagegen hat mir immer Spaß gemacht. Also war der einzige „Sport“ (auch wenn sich das für mich in dem Moment nicht so angefühlt hat), den ich lange Jahre gemacht hab das Garde Tanzen. (Für alle, die nicht aus dem Rheinland kommen und keine Ahnung haben, was das ist, verlinke ich hier mal ein älteres Video.) Das waren zwei Mal in der Woche 1,5 Stunden Bewegung und das hat mir während meiner ganzen Jugend auch ziemlich gut gereicht. Zwei oder drei Jahre lang bin ich dann auch mit meiner Mama einmal in der Woche zum Zumba gegangen. Auch das hat super viel Spaß gemacht.

Weg von zu Hause: Gesunde Ernährung Fehlanzeige

Nach dem Abitur hat sich dann allerdings so einiges geändert. Nach dem Abitur im März, ging ich ab April für zwei volle Monate nach Frankreich, um dort ein Praktikum in einem Hotel zu machen. Das Ganze war unbezahlt, aber ich konnte dort kostenlos wohnen und essen. Wer meinen Campingbeitrag gelesen hat, weiß, dass ich (heute) so meine Meinung zu Hotelessen habe. Das gab es jetzt zwei Monate lang. Außerdem war ich das erste Mal in meinem Leben überhaupt so lange von zu Hause weg und für mich selbst verantwortlich. Ich war zwar versorgt, dennoch war ich mehrmals die Woche einkaufen und da gab es dann hauptsächlich Gummibärchen, Schokolade, Joghurts … Ich lernte dort auch noch zwei andere Mädels aus Deutschland kennen und zusammen haben wir natürlich ein paar Ausflüge gemacht und die Umgebung erkundet. Da gab es dann auch immer Crêpe (schließlich waren wir in Frankreich), Pasta, Croissants und Eis.

Da ich zu Hause nicht wirklich Sport gemacht hatte, fing ich hier jetzt natürlich nicht damit an. Ihr ahnt schon worauf, das hinauslief. Richtig: in zwei Monaten habe ich acht (!) Kilogramm zugenommen. Schlimm war das allerdings tatsächlich erst, als ich Ende Mai wieder nach Hause kam. Denn in Frankreich habe ich irgendwie nicht realisiert, dass ich zugenommen hatte. Obwohl mich ein netter Kellner im Hotel gegen Ende darauf hingewiesen hatte: „Als du hier ankamst, warst du aber nicht so dick.“ Charmant wie immer, diese Franzosen.

 

Transformation
Links: semi-sportlich, meistens aber ganz zufrieden. Rechts: null sportlich, absolut unglücklich

 

Fehlversuch Abnehmprogramm

Als ich also zu Hause war, stand der Sommer vor der Tür und von meinen kurzen Hosen passte mir nur noch eine einzige und sowieso habe ich mich irgendwie in allem furchtbar gefühlt. Was habe ich gemacht? Ich habe mir für teures Geld ein 10-Wochen-Programm gekauft (dessen Namen ich hier jetzt nicht nenne). Die Hauptsache an dem Programm war die Ernährung: Lebensmittel werden in gut und schlecht eingeteilt. Von den guten darfst du so viel essen, wie du willst und von den schlechten eben nichts. Ausnahme: einmal die Woche gibt es einen Cheatday, an dem du ALLES essen darfst, was du willst. Bei mir hat das dazu geführt, dass ich einmal pro Woche komplett ausgerastet bin und sinnlos Zeug in mich hineingestopft habe, bis mir schlecht war. Außerdem bot das Programm dann drei Workout-Videos pro Woche, die sich wöchentlich ein bisschen gesteigert haben. Ich bin dann zusätzlich noch joggen gegangen, weil ich dachte, dass man dadurch automatisch abnimmt. Was soll ich sagen? War nicht der Fall. Außerdem hasse ich Laufen bis heute.

Der ganze Sommer war also eine ziemliche Quälerei, die am Ende nicht wirklich viel gebracht hat.

(Trainings-)Neustart an der Uni

Im September bin ich dann ausgezogen und habe angefangen zu studieren. Den Ernährungsplan aus dem Programm hatte ich da schon über Bord geworfen und, ohne damals schon den Namen dafür zu kennen, habe ich ab da eigentlich „intuitiv“ gegessen. Also auf meinen Körper gehört und gegessen, worauf ich Lust hatte, wann mir danach war und so viel, bis ich mich satt gefühlt habe. Dazu kam ein insgesamt aktiverer Lebensstil, weil ich ab sofort viel zu Fuß erledigen konnte. Außerdem habe ich mich dann in einem Fitnessstudio angemeldet. Dort hat man mir als Anfänger so eine Art Zirkeltraining gezeigt, das ich dann ein halbes Jahr lang absolviert habe. Und ohne groß darüber nachzudenken, habe ich wieder abgenommen und fing langsam wieder an, mich wohl in meiner Haut zu fühlen.

 

Das Fitnessstudio hatte mich da aber noch nicht so gepackt, weil dieses Zirkeltraining zwar nicht besonders zeitintensiv war, aber irgendwie auch langweilig. Deswegen konnte ich mich auch nicht richtig aufraffen, meinen Vertrag nach fünf Monaten zu verlängern.  Ein halbes Jahr lang war wieder Trainingspause. Die Rechnung erhielt ich in der Form, dass ich mich bis zum Sommer wieder unwohl mit meinem Körper gefühlt habe.

Also habe ich mich wieder im Studio angemeldet, wo ich wieder denselben Zirkel trainieren musste, wie bei meiner ersten Anmeldung! Diesmal habe ich aber durchgezogen, bis ich den Zirkel laut Trainer endlich hinter mir lassen und an die freien Gewichte durfte. Und da habe ich bereits gemerkt, dass Krafttraining durchaus Spaß machen kann, wenn man individuell trainiert.

Damit ich nicht aus meinem Rhythmus komme, den ich mir inzwischen angeeignet hatte, meldete ich mich über die Ferien zu Hause ebenfalls in einem anderen Studio an. Und die Trainer hier haben für mich dann auch einen individuellen Plan geschrieben. Außerdem habe ich es jetzt auch zum ersten Mal mit einem Ernährungsplan versucht. Ich habe mir meine Kalorien ausrechnen lassen und dann einen darauf abgestimmten Plan bekommen, nach dem ich gegessen habe. Allerdings muss ich gestehen, dass ich mich da nicht so akribisch dran gehalten habe und deswegen der Erfolg auch eher mäßig war. Heute kann ich darüber lachen, aber in der Zeit war ich ziemlich angenervt davon, dass ich nicht mehr abgenommen habe. Obwohl es im Nachhinein total logisch war.

 

Transformation 2
Links: sporadisches bis gar kein Training, hier habe ich mich aber schon wieder wohler gefühlt. Rechts: Spaß am Training, aber nicht am Essen. Obwohl ich hier inzwischen weniger gewogen habe als am Anfang, war ich unzufrieden.

Neue Ziele: Stark sein statt schlank

In meinem dritten Uni-Jahr hat mein Freund dann angefangen in diesem Fitnessstudio zu arbeiten und ein duales Studium begonnen. Ich war in Wien für ein Auslandssemester und habe mich in einem Franchise-Studio angemeldet. Die Trainingsbetreuung war hier allerdings ziemlich mau. Also bat mein Freund einen seiner Kollegen, für mich einen Trainingsplan zu schreiben. Und mit diesem Plan hat es mich dann eigentlich erst so richtig gepackt. Ich habe zum ersten Mal mit Fokus auf Grundübungen – also Kniebeugen, Kreuzheben und Bankdrücken – trainiert. Langsam aber sicher hat das dann schließlich meine gesamte Einstellung zum Training und nicht zuletzt auch zu meinem Körper geändert.

Ich habe schnell festgestellt, dass es viel befriedigender ist, nicht nur zu trainieren, um schlank zu sein, sondern um stark zu werden. Zu realisieren, zu was mein Körper fähig ist und was ich mit physischer, aber auch psychischer, Anstrengung schaffen kann, finde ich heute noch faszinierend.

Erfolge im Training, Spaß am Essen und neues Selbstbewusstsein

Trotzdem hatte ich immer wieder Phasen, in denen ich an meinem Körper was auszusetzen hatte und z.B. vermeintlich böse Kohlenhydrate in meiner Ernährung reduziert oder zusätzlich Ausdauertraining gemacht habe. Obwohl mir beides keinen Spaß gemacht hat.

Was mir in dieser Beziehung letztendlich extrem geholfen hat, war, dass ich mich nach langem Zögern letztes Jahr im Herbst/Winter dazu entschieden habe, einen Aufbau zu machen. Das heißt, ich habe bewusst mehr gegessen, um zuzunehmen. Muskeln wachsen natürlich auch nur, wenn sie ausreichend Kalorien erhalten und genau das habe ich gemacht. Zum ersten Mal in meinem Leben wollte ich zunehmen und für mein Gehirn war das die ersten paar Wochen ein ziemlicher Mindfuck. Nach vier Monaten und ziemlich genau vier Kilo mehr stand dann zum ersten Mal wieder die 6 vorne auf der Waage und was soll ich sagen? Ich habe mich pudelwohl gefühlt. Mit dem passenden Training ging die zusätzliche Masse nämlich hauptsächlich an die Stellen, wo sie auch hinsollte und das war ein super gutes Gefühl! Außerdem konnte ich mich im Training so gut steigern und immer mehr Gewichte stemmen, dass mein Selbstbewusstsein damit einen zusätzlichen Schub bekommen hat.

 

Für den Sommer habe ich jetzt trotzdem ein paar Monate Diät gemacht und auch das hat so viel besser funktioniert, als alle Versuche, die ich vorher unternommen hatte. Man muss Lebensmittel nicht in Kategorien wie „gut“ und „schlecht“ einteilen, um abzunehmen. Ich habe in dieser Diät darauf geachtet, dass ich genug Proteine zu mir nehme, ansonsten aber konnte ich mir auch mal ein Stück Schokolade oder ein Eis gönnen. Solange ich mein Kalorienziel nicht überschritten hatte, war das kein Problem.

Fitnesslifestyle
Heute: stark und glücklich. Vor allem meine Beine, die ich früher immer dick find, mag ich heute sehr.

Fazit

Es war ein jahrelanger Prozess, dahin zu kommen, wo ich jetzt bin. Man wird nicht von einem Tag auf den anderen sportbegeistert, sondern es braucht Ausdauer. Wie für jede andere Gewohnheit auch. Und heute bin ich so froh, dass ich diese Ausdauer hatte und dadurch letztendlich auch die Art Training gefunden habe, die mir Spaß macht und die ich nicht mehr missen möchte. Krafttraining hat mir nicht nur dabei geholfen, meinen Körper zu formen – was ein toller Nebeneffekt ist – , sondern vor allem auch damit, selbstbewusst mit meinem Körper umzugehen, wertzuschätzen, zu was er in der Lage ist und keine Angst vor gutem Essen zu haben. Gerade Letzteres macht das Leben sehr viel angenehmer, wie ich finde.

 

 

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19 Kommentare zu „Storytime: Vom Sportmuffel zum Trainingslover“

  1. Sehr interessant, deinen persönlichen Bezug zu Sport zu lesen. Ich bin da wie du, ich habe bis vor sieben Jahren so gut wie gar keinen Sport betrieben, es hat mir einfach keinen Spaß gemacht und die Motivation abzunehmen hatte ich auch nicht, da ich ohnehin an Untergewicht leide. Und dann kam ich durch glückliche Umstände zum Crossfit und das hat meine Leidenschaft fürs Training geweckt. Mittlerweile bin ich sogar ausgebildete Fitness Trainerin. 🙂 Witzig, wie sich die Dinge manchmal ändern 🙂

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcats.com

  2. Ich habe jetzt auch endlich wieder angefangen Sport zu machen und mich gesünder zu ernähren. Es ist schön zu wissen, dass man nicht alleine damit ist, denn ich habe auch bei so einem 10 Wochen Programm mitgemacht. Meine Erfahrung dazu ist auf meinem Blog.
    Liebste Grüße!

  3. Ich finde solche Beiträge immer recht interessant. Ich möchte jetzt auch gerne meine Ernährung wieder umstellen und auch Sport machen, auch wegen meiner Bandscheibe.

    LG Steffi

  4. WOW! Das hast Du aber super umgesetzt. Im Schulsport war ich auch immer eine Null, obwohl mir viele Dinge schon Spaß gemacht haben. Aber Gefallen an Sport und Bewegung habe ich erst sehr viel später gefunden.
    Liebe Grüße Claudia

  5. Dieses 10-Wochen-Programm, wobei man an einem Cheatday essen darf, was man will machen viele. Was ich nicht verstehe: Selbst wenn man essen darf WAS man will, wieso isst man dann SO VIEL davon, dass einem schlecht wird?
    Ich finde es auf jeden Fall gut, dass du den Absprung geschafft hast. Viel Erfolg für die Zukunft!

    1. Man will wahrscheinlich kompensieren, da man ja vorher eine ganze Woche auf all das gute Zeug verzichtet hat und auch danach wieder verzichten muss … Bei diesen Programmen lernt man eben nicht, in Maßen zu genießen.

      Vielen Dank!

  6. Ich bin nicht so sportlich, aber tue jeden Tag Gutes für mich. Ich mache jeden Tag in der früh meine Turnübungen, dann Thai Chi, ich meditiere, gehe spazieren. Das passt für mich.
    Jede sollte das machen, was einem/einer Spaß macht.

  7. Krasse Veränderung. Respekt

    Ich habe bei mir festgestellt, dass sich bei mir der Spaß am Sport ab und an ändert. Vor Jahren habe ich mir vorgenommen abzunehmen und bin auch viel ins Studio gegangen. Mit Erfolg, zum Glück 😀

    Nun, etwa 6-10 Jahre später, gehe ich zwar immer noch hin, jedoch macht es mir keinen wirklich Spaß mehr und mir fehlt auch mittlerweile ein persönlicher Anreiz, was natürlich auch an der persönlichen Weiterentwicklung und einer Änderung der Interessensschwerpunkte liegen könnte.

    Wie siehst du das rückblickend und vielleicht auch vorausschauend?

    Besten Gruß
    Henrik von Fernweh-Koch
    Fernweh-Koch bei Pinterest

    1. Ich würde mir glaube ich was anderes suchen, wenn ich nicht mehr so viel Spaß daran hätte. Und Ziele sind halt immer eine super Motivation. Das muss ja nicht immer abnehmen sein oder so.

  8. „Neue Ziele: Stark sein statt schlank“ Die Aussage kann ich voll und ganz unterstützen 🙂 Ich denke, dass wichtigste ist etwas zu finden woran man Spaß hat und dabei bleiben kann. Bei mir ist es auch der Kraftsport im Fitnessstudio, der mir am meisten Spaß macht bzw. habe ich nach ein paar Tagen immer das Bedürfnis meine Muskeln auszupowern. Ab und an habe ich aber auch Phasen (z.B. jetzt im Sommer) wo ich mal andere Sportarten ausprobieren möchten (z.B. Standup Paddling und Laufen). Da schraube ich das Fitnesstudio dann etwas runter. Du hast echt tolle Ergebnisse erzielt!
    LG Denise

  9. Lustig, ich erkenne mich in deinem Beitrag wieder. Ich habe letztes Jahr auch ein Programm gemacht, dass sich stark nach deinem anhört und auch ich fands irgendwann nur noch ätzend, habs 6 Monate durchgezogen aber dann konnte ich nicht mehr. Ich wollte wieder normal essen und nicht ständig etwas exotisches. Aber in der Zeit habe ich auch das Krafttraining für mich entdeckt – auch wenn es mittlerweile sehr wenig geworden ist. Der innere Schweinehund und so 😀 Aber immerhin weis ich jetzt was hilft, wenn ich mich mal aufraffe.

    Liebe Grüße
    Eileen

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