Notwendiges Übel? Schulklassen im Theater

Schule Theater

Wer mir auf Instagram folgt, hat vielleicht meinen Rant letzte Woche in den Stories mitbekommen. Dort habe ich mich aufgeregt über eine große Schülergruppe in einer Theatervorstellung, die einfach nicht leise sein konnte, wo ständig jemand sein Handy rausgeholt hat und von der auch immer wieder Leute aufgestanden und rausgegangen sind. Das alles hat – wie man sich vorstellen kann – extrem gestört und jedem anderen Zuschauer enorme Konzentration abverlangt, wenn er dem Geschehen auf der Bühne noch folgen wollte. Dazu kam, dass die Lehrer, die diese Schülergruppe begleitet haben, scheinbar komplett machtlos waren oder ihnen die Situation einfach egal war.

 

Nach diesem Vorfall habe ich mich noch mit anderen Leuten darüber unterhalten, weil es für mich einfach komplett unverständlich war, wie man sich so verhalten kann. Sowohl als Schüler als auch als Lehrer in dieser Situation. Außerdem habe ich mich danach immer wieder gefragt, was ich selbst hätte tun können. Hätte ich mich beschweren sollen, in der Hoffnung, dass man auf eine Fremde eher hört als auf sein/e Lehrer/in? Hätte ich dem Schließpersonal einen Hinweis geben sollen, damit die die Störenfriede rausschicken? Oder war es ganz richtig von mir, einfach die Klappe zu halten und mein Schicksal zu erdulden?

 

Theater Schule

Ich gehe oft ins Theater, weil es mir Spaß macht und weil es einfach ein Teil meines Studiums ist. Und immer wieder ertappe ich mich dabei, innerlich laut zu stöhnen, wenn ich beim Einlass schon sehe, dass eine Schulklasse da ist. Dabei entspricht das gar nicht meinen eigenen Forderungen.

Ich bin vehement dafür, dass Lehrer mit ihren Klassen ins Theater gehen und über Stücke sprechen. Gleichzeitig will ich aber keine Klassen in den Vorstellungen sehen, die ich besuche.

Dieser Zwiespalt ist tatsächlich etwas, das mich jetzt seit letzter Woche sehr beschäftigt und worüber ich mir immer wieder Gedanken gemacht habe.

 

Ich bleibe bei dem Standpunkt, dass Theater wichtig ist und ein Teil der Schulbildung sein sollte. Ich ärgere mich heute noch über meine eigenen Deutschlehrer, die es gerade ein einziges Mal geschafft haben, einen Theaterbesuch zu organisieren und der hat dann auch noch bloß auf freiwilliger Basis stattgefunden. Und da stellt sich doch schon die Frage: Wieso wollen Lehrer nicht mit ihren Schülern ins Theater gehen? Weil es zu viel Aufwand ist? Weil sie dann abends „arbeiten“ müssten? Oder, weil sie Angst haben vor genau solchen Situationen, wie ich sie erlebt habe letzte Woche? Oder, weil sie selbst schon gar kein Interesse am Theater haben?

 

Ganz egal, woran es liegt, das ist etwas, das geändert werden sollte. Und deswegen bin ich auch dankbar für jeden einzelnen Lehrer, der seine Schüler dann doch ins Theater schleppt.

Aber dann bedarf es eben auch Vorbereitungen. Allen voran, die Schüler dafür zu sensibilisieren, wie man sich in einer Vorstellung verhält. Ich sehe ein, dass das nicht alleine Aufgabe der Lehrer sein kann. Wer von seinen Eltern schon nicht beigebracht bekommen hat, dass man in solchen Veranstaltungen ruhig zu sein hat oder, dass man andere respektiert und nicht stört, der lernt es – leider – wahrscheinlich auch in der Schule nicht.

Dann sollten die Lehrer aber auch hart durchgreifen und Störenfriede einfach vor die Tür setzen. Genauso, wie sie es im Klassenzimmer ja auch machen. Zu meiner Schulzeit hat man das zumindest noch so gemacht. Einfach alles durchgehen zu lassen, (und damit den Zorn des restlichen Publikums auf sich zu ziehen) kann ja wohl nicht der Weg sein.

 

Nicht unwichtig ist natürlich auch die Auswahl des Stücks. Die Inszenierung, die ich jetzt gesehen habe, behandelte verschiedene Erzählungen Kafkas, seine Briefe und noch sonstige andere Texte. Wer schon mal auch nur einen Kafka-Text gelesen hat, weiß, dass das alles andere als klar verständlich ist. Man stelle sich also eine Textmontage vor, ohne klare Handlung und ohne eindeutige Figuren. Dass 16-/17-jährige Schüler damit komplett überfordert sind, wundert mich ehrlich gesagt nicht.

 

Drama Schule Theater

Ich bin zwar keine Pädagogin, aber allen Lehrern möchte ich dennoch gern Folgendes ans Herz legen:

Geht mit euren Schülern ins Theater. So oft, wie es nur möglich ist.

Achtet auf die Auswahl der Stücke.

Es gibt genug Dramen, die auf dem Lehrplan als Pflichtlektüre stehen – wenn sich die Chance ergibt, dass eins davon in der Nähe inszeniert wird, nutzt sie. Denn nichts macht eine öde Lektüre spannender, als sie zum Leben erweckt auf einer Bühne zu sehen. Ich spreche wirklich aus Erfahrung: die langweiligsten Texte sind in einer guten Inszenierung mit guten Schauspielern nicht wieder zu erkennen. Und wenn die Schüler den Text vorher gelesen haben, können sie die Handlung auch leichter mitverfolgen und schweifen nicht so schnell ab.

Macht ihnen klar, dass sie nicht allein in diesem Theater sind und sich dementsprechend zu verhalten haben.

Weist diejenigen zurecht, die sich nicht so verhalten und wenn es nichts mehr hilft, schmeißt sie raus. Der Rest des Publikums wird euch sicherlich dankbar sein.

 


Kennt ihr solche Erfahrungen? Und wie geht ihr damit um?

Sind vielleicht (angehende) Pädagogen unter den Lesern? Wie steht ihr zu dem Thema? Das fände ich sehr interessant, zu erfahren!

 

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10 Kommentare zu „Notwendiges Übel? Schulklassen im Theater“

  1. Hallo!
    Ich arbeite selbst in einem Theater und wir haben sehr oft Schülergruppen. Wir setzen sie grundsätzlich auseinander, damit es keinen großen Pulk gibt. Außerdem setzt sich sofort nach der Buchung ein Theaterpädagoge mit dem Lehrer in Verbindung und verschickt eine Art kleine Theaterknigge, die nochmal Regeln beeinhaltet, die bei einem Theaterbesuch zu beachten sind. Aber natürlich kommt es auch immer auf die Lehrer an.

    Ansonsten bin ich, genau wie du, unbedingt dafür dass Schulklassen ins Theater gehen! Bloß nicht in die Vorstellung, die ich gerade gucken will! 😉

    Liebe Grüße, Nicole

  2. Deine Reaktion kann ich voll und ganz verstehen. Das ist ja auch im Kino oft störend, aber dafür zahlt man halt wesentlich weniger Eintritt. Allerdings liegt es meiner Meinung nach nicht nur in der Verantwortung der Lehrer. Die Kinder sollten das schon von zu Hause mitbekommen, dass man auf andere Rücksicht nehmen soll. Da müsste dann eigentlich ein kurzes Vorgespräch mit dem Lehrer reichen, wie man sich in einem Theater zu verhalten hat.

    1. Man sollte meinen das das reichen müsste, ja. Und natürlich hast du recht, dass es an aller erster Stelle von zu Hause kommen sollte. Aber leider fehlt es da meistens schon und die Lehrer können natürlich nicht alle Fehler der Eltern ausbügeln. Das ist ja primär auch mal überhaupt nicht ihre Aufgabe …

  3. Ich war auch als Schüler zusammen mit meiner Klasse im Theater. Ich fand es toll und die meisten haben sich auch gut benommen. Damals gab es aber auch noch keine Smartphones. Ich glaube heutzutage kann es wirklich schon sehr schwierig sein, mit einer Schulklasse ins Theater zu gehen. Deinen Zwiespalt kann ich gut verstehen.
    Liebe Grüße, Steffen

    1. Das ist auch bestimmt ein großer Unterschied. Die Aufmerksamkeitsspanne nimmt einfach gewaltig ab, habe ich das Gefühl, wenn alle ein Smartphone besitzen ..

  4. … das klingt echt mühsam. Aber ehrlich gesagt wundert mich das so gar nicht. Benehmen haben die Kinder schon im Kindergarten keines … Laisse-faire lässt grüßen.

    Liebe Grüße
    Verena

  5. Oh, ich verstehe dich sehr gut.
    Wir haben mit unseren Kindern ein Theater Abo.
    Schon bei diesen Vorstellungen wo eben nur Kinder und Eltern anwesend sind, kann man gut beobachten, wie ungezogen und laut die Kinder dabei sind.
    Und wer ist schuld daran – die Eltern.
    Das sind jedoch Kinder im Alter von 6 – 10 Jahren.
    Unsere Kinder wissen schon genau wie sie sich bei einer Vorstellung zu verhalten haben.
    Kann mir aber gut vorstellen, wenn sie mit einer Gruppe Kinder unterwegs sind, wo mehr als die Hälfte sich nicht zu benehmen weiß, dass sie da vermutlich zu Blödsinn angesteckt werden. Die Pädagogen und Lehrer sind dabei oft überfordert.
    So hoffe ich, meinen beiden doch noch mit geben zu können, dass sie ihren Klassenkameraden ein Vorbild sind… 😉

    Lieben Gruß, Martina von http://www.stielreich.at & http://www.stielreich.at/blog

    1. Ja klar, es fängt eben doch alles zu Hause und bei den Eltern an. Aber freut mich, dass du deinen Kindern eine andere Einstellung mitgeben willst 🙂

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