Mein Interrail-Abenteuer: Vier Wochen alleine mit dem Rucksack durch Europa

Interrail Ticket

Schon lange hatte mich die Idee fasziniert, dass man mit dem Interrail-Ticket die Möglichkeit hat, in einem bestimmten Zeitraum alle europäischen Länder mit dem Zug zu bereisen. Und so ist die Idee natürlich lange in meinem Kopf herumgegeistert.

Im Februar oder März 2017, ein paar Monate also bevor ich meine Bachelor-Arbeit abgeben musste und mein Erststudium beendet wäre, habe ich schließlich den Entschluss gefasst: Diesen Sommer ist der perfekte Zeitpunkt, um so ein Projekt anzugehen. Letztendlich habe ich das wirklich innerhalb von ein paar Tagen entschieden und ziemlich schnell mit der Planung begonnen.

 

Interrail-Vorbereitungen: Finanzen, Rucksack und Ticket

Zunächst galt es, für die erste Hälfte des Sommers einen Ferienjob zu finden, damit ich mir die vier Wochen Reisen dann auch finanzieren konnte. Meine typische Anlaufstelle hatte leider nichts frei und nach ewigem Suchen – ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben – ergab sich kurzfristig doch noch eine Möglichkeit. Fünf Wochen arbeitete ich als Aushilfe an einer Autobahnraststätte, verbrachte viele Tage bei 30 Grad neben einer dampfenden Industriespülmaschine und durfte die Essensreste asiatischer Reisebus-Gruppen einsammeln. Aber ich wusste wofür das alles und hielt mir immer vor Augen, dass meine Zeit dort begrenzt war.

 

An meinen freien Tagen beschäftigte ich mich dann mit den technischen Spitzfindigkeiten von Rucksäcken. Zunächst fiel ich erstmal aus alles Wolken, als mir klar wurde, wie viel so ein guter Rucksack eigentlich kostet. Wow! Natürlich gibt es da auch Unterschiede je nach Hersteller und Größe. Aber welche Größe brauchte ich denn überhaupt? Also verbrachte ich zusätzlich noch ziemlich viel Zeit damit, Erfahrungsberichte von Backpackern zu lesen, wie viel Kleidung man so braucht, was man generell alles dabei haben sollte und wie groß der Rucksack entsprechend sein sollte.

 

Ich entschied mich am Ende für dieses schöne Modell:

Quechua Forclaz
Der optimale Rucksack für vier Wochen im August.

 

Mädchen mit Rucksack
Auch das Verhältnis Körpergröße-Rucksack war in Ordnung.

Das ist der Quechua Forclaz Travel 500 mit 50 Litern. Und ich muss sagen: Im Preis-Leistungsverhältnis war der unschlagbar. Ein gutes Stück günstiger als ähnliche Modelle anderer Hersteller und qualitativ hatte ich nichts auszusetzen. Auch die 50 Liter waren die richtige Entscheidung. Zwar musste ich manchmal ein bisschen Tetris spielen, aber bei einem größeren Volumen hätte ich viel zu viel unnötiges Zeug mitgeschleppt. So habe ich mich wirklich auf das nötigste beschränkt. Allerdings war ich auch im August unterwegs und es war wirklich sehr heiß, d.h. der Bedarf an warmer, dicker Kleidung hielt sich in Grenzen.

 

Nächster Schritt war natürlich das Ticket: Interrail bietet da ganz verschiedene Möglichkeiten mit unterschiedlichen Zeiträumen, Ein-Länder-Pässe, ganz Europa usw. Da kann wirklich jeder ganz individuell sein. Ich hatte mich schnell festgelegt auf einen Global Pass (also gültig für ganz Europa), der mir 15 Reisetage innerhalb von 30 Tagen ermöglichte. Da ich ja auch was von den Orten sehen wollte, bin ich davon ausgegangen höchsten jeden zweiten Tag weiterzufahren und von daher war das die beste Möglichkeit.

 

 

Routenplanung

Beim Lesen von Erfahrungsberichten hatte ich schnell rausgefunden, dass es zwei Arten von Menschen gibt. Erstens die, die alles bis aufs letzte Detail planen, wann sie wo sein werden, die Züge raussuchen und die Unterkünfte bereits für die ganze Reise gebucht haben. Zweitens die, die einfach losfahren und dann gucken was passiert.

Grundsätzlich gehöre ich eher zu der ersten Sorte Menschen, allerdings wollte ich mir ein bisschen Flexibilität erhalten. Also habe ich mir zu Hause bereits überlegt, welche Länder/Städte ich sehen will und so eine grobe Route festgelegt. Die ersten paar Tage habe ich dann von zu Hause aus noch organisiert und dann habe ich unterwegs sukzessive weitergeplant. So kam ich immer vorbereitet in einer Stadt an, wusste also schon, wo ich schlafen werde, was ich mir anschauen will etc.  und für mich persönlich war das die beste Lösung.

 

Und wie sah diese Route jetzt im Detail aus?

Über die Schweiz und dann durch Italien …

Von zu Hause ging es erstmal in die Schweiz nach St. Gallen, wo ich eine Freundin besucht habe. Von dort fuhr ich weiter über Mailand, wo ich nur eine Nacht verbracht habe, nach Rom. Das war mein erster längerer Aufenthalt und ich habe mich wirklich in diese Stadt verliebt und will auch gerne wieder hin. Von Rom ging es dann weiter nach Neapel. Hier habe ich hauptsächlich wegen eines Tagesausflugs nach Pompeji Halt gemacht, von der Stadt selbst habe ich nicht sooo viel gesehen.

… von Italien nach Griechenland …

Und das war’s dann auch schon mit Italien, denn von Neapel bin ich nach Bari gefahren, von wo ich mit der Fähre übergesetzt bin nach Patras in Griechenland. Das nächste Ziel von hier aus war – na, klar – Athen. Genauso wie Rom, fand ich diese Stadt unglaublich faszinierend und verbrachte hier deswegen mehrere Tage. Leider ist das Bahnnetz in Griechenland ganz schlecht ausgebaut, sodass es kaum möglich war noch mehr vom Land zu sehen.

… und dann durch Osteuropa wieder nach Hause.

Also ging es weiter auf eine Tour durch die osteuropäischen Hauptstädte. Den Anfang machte Sofia in Bulgarien, dann folgte Bukarest in Rumänien. Da meine Großmutter ihre Wurzeln in Siebenbürgen hat, war es für mich klar, dass ich auch hier einen Stopp einlegen musste, wenn ich schon mal in Rumänien war. Also verbrachte ich noch zwei Tage in Sibiu, bevor es weiterging nach Budapest, der Hauptstadt Ungarns. Generell war ich sehr positiv überrascht von Osteuropa. Ich war vorher noch nie wirklich dort gewesen und war total geplättet von der schönen Architektur der Städte, von dem vielen Grün, das es überall gibt, und vor allem von der unglaublichen Freundlichkeit der Menschen hier.

Den letzten Zug nahm ich dann nach München, wo mein Freund bereits auf mich wartete und wir verbrachten hier  noch zwei enspannte Tage.

Interrailkarte, Ziele, Routen
Auf der von Interrail mitgeschickten Karte, habe ich alle meine Ziele und Routen markiert.

Hotel, Hostel, Airbnb?

Als introvertierter Mensch konnte ich mir wenig Schlimmeres vorstellen, als mehrere Nächte in einem Zimmer mit 6 Personen zu verbringen. Dennoch habe ich es getan. Wenn ich länger als zwei Tage an einem Ort war, habe ich immer versucht etwas zu finden, wo ich wenigstens ein Zimmer für mich allein hatte. In Rom war das ein Bed & Breakfast, in Athen eine komplette Airbnb-Wohnung. Meistens bin ich dann aber – einfach aus finanziellen Gründen – in einem Hostel mit Mehrbettzimmer gelandet. Beim Buchen habe ich allerdings immer auf die Bewertungen geachtet und darauf, dass es kein Party-Hostel ist, in dem nie Ruhe einkehrt. Tatsächlich war es dann am Ende auch halb so wild. Ich bin morgens nach dem Frühstück sofort los, die Stadt erkunden, und erst abends irgendwann zurück gekommen. Meistens dann todmüde, sodass ich auch gut geschlafen habe.

 

Alleine reisen

Ich selbst habe mir vorher überhaupt nicht so viele Gedanken darum gemacht, dass ich ja eine Frau bin und ganz alleine unterwegs bin und was da nicht alles passieren könnte. Aus meinem Umfeld habe ich aber schon ein paar Sorgen gehört. Letztendlich habe ich festgestellt: die große Mehrheit der Menschen, ist nett und will dir nichts Böses. Ich hatte wirklich ein paar schöne Begegnungen und viele Leute sind total hilfsbereit, wenn sie merken, dass man allein unterwegs ist.

 

Generell haben diese vier Wochen alleine einiges für mein Selbstbewusstsein getan. Ich habe mir in dieser Zeit bewiesen, dass ich das kann: auf mich selbst gestellt in einer fremden Umgebung zurechtkommen. ABER: ein zweites Mal würde ich nicht alleine verreisen. Zu oft habe ich einen wirklich schönen Moment gehabt, den ich natürlich auch alleine total genossen hab, dann aber eben doch mit jemandem teilen wollte.

Fazit also: Als Selbstfindungsreise eine tolle Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte, in Zukunft will ich aber doch lieber meine Reiseerlebnisse teilen.

 


Zum Schluss gibt’s natürlich noch ein paar Bilder von meiner Reise:

(Die Bilder anklicken, um sie größer zu sehen.)

 


Was sind eure Interrail-Erfahrungen, falls ihr schon welche gemacht habt? Und wenn nicht, würde es euch reizen mal so zu reisen?

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7 Kommentare zu „Mein Interrail-Abenteuer: Vier Wochen alleine mit dem Rucksack durch Europa“

  1. Dieser Interrail-Pass ist ja der Wahnsinn. Da kann man sich so schön eine tolle Route raussuchen. Deine finde ich war auch gut gewählt. Ich will auch Mal nach Italien und Rumänien, habe in beiden Ländern Wurzeln.
    Alleine reisen kann schön sein, aber so wie du teile ich meine Erfahrungen sehr gerne. Kann deine Entscheidung daher sehr gut nachvollziehen.

    Herzliche Grüße aus Oldenburg.
    Michelle | The Road Most Traveled

  2. Mich würde es schon auch mal total reizen! Da wir aber mittlerweile hauptsächlich wegen unserer Reiseziele mit dem Auto unterwegs sind wird es wahrscheinlich nix mehr. xD Vielen dank für den tollen Beitrag! War sicher eine großartige Erfahrung!

    Lg,
    Roach

  3. Wow, da hast du ja eine ordentliche Strecke zurückgelegt!
    Ich bin mal 2,5 Wochen mit dem Zug durch Südfrankreich gereist, ebenfalls alleine, und mir ging es ähnlich: Es war eine richtig gute Erfahrung und wirklich wichtig, um mein Selbstvertrauen zu stärken. Das mit dem Teilen verstehe ich zwar sehr gut, allerdings ging es mir tatsächlch nur ein einziges Mal so, und zwar auf der Dune du Pilat. Ansonsten habe ich die Zeit damals soo genossen und würde es jederzeit wieder machen.
    Ich verreise nach wie vor hin und wieder alleine, wähle meine Ziele aber sorgfältig aus. Es gibt einfach Dinge, die ich unbedingt gemeinsam mit meinem Mann erleben möchte bzw. Destinationen, die sich m.E. nicht fürs Alleinreisen eignen.
    Liebe Grüße
    Julie

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